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Makuladegeneration

Makuladegeneration

Montag, 23. Juni 2003

Sendung vom 23.06.2003

Die Makula, der „gelbe Fleck“, ist ein wenige Quadratmillimeter grosses Areal auf der Netzhaut. Es ist die Zone, die für die wichtigsten Sehleistungen verantwortlich ist: Lesen, Farbunterscheidung, Erkennung von Gesichtern, Detailwahrnehmung. Die anderen Sehzellen der Netzhaut registrieren nur grössere und grosse Objekte, ein Auto, ein Haus, ein Auto, ein Mensch, sowie Umrisse und Hell-Dunkel-Kontraste.
In der Makula herrscht ein reger Stoffwechsel, dessen Abbauprodukte von der darunter liegenden Gewebeschicht (Pigmentepithel) entsorgt werden. Ab etwa dem 50. Altersjahr kann es dabei zu Störungen kommen: Abbauprodukte und Pigmentklumpen werden in der Netzhaut abgelagert, Netzhautzellen können zerstört werden, neue Blutgefässe entstehen an Stellen, wo keine sein sollten.
Diese sogenannte Makuladegeneration führt zu einer zunehmenden Verschlechterung des Sehens. Im Spätstadium entsteht oft ein grosser (es ist kein dunkler Fleck, sondern eine Stelle ohne Sehinformation) Fleck in der Mitte des Sehfeldes, womit Lesen und das Erkennen von Gesichtern erschwert, manchmal fast unmöglich wird. In der westlichen Welt ist die Makuladegeneration die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen in der zweiten Lebenshälfte.
Als Risikofaktoren gelten Bluthochdruck, Rauchen, UV-Licht, vitamin- und mineralienarme Ernährung.
Die folgenden Symptome können eine MD anzeigen: Einzelne Buchstaben im Lesetext fehlen oder sind blass, gerade Linien erscheinen verbogen, Farben wirken blasser. Das Zentrum des Sehfeldes erscheint leer. Mit dem sogenannten Amslergitter lassen sich Veränderungen frühzeitig erkennen. Testblätter sind in Augenkliniken und der Selbsthilfegruppe Retina Suisse erhältlich.
Es gibt zwei Formen der altersbedingten Makuladegeneration: bei der trockenen MD verdünnt sich die Netzhaut langsam, die Sehfähigkeit verschlechtert sich schleichend. Bei der Spiegelung des Augenhintergrundes lassen sich kleine gelbliche Flecken unter der Netzhaut feststellen, eine Art „Altersflecken“. Im Spätstadium werden ganze Areale zerstört. Eine Behandlung gibt es nicht.
Bei der feuchten MD – bei etwa 15 % der Betroffenen - entstehen Gefässneubildungen, die die Netzhaut schädigen oder zu Blutungen führen. Bei dieser Form verschlechtert sich die Sehfähigkeit rasch. Wichtig: sofort zum Augenarzt oder in die Augenklinik gehen!
Die feuchte MD lässt sich behandeln, indem versucht wird, die neuen Blutgefässe zu veröden. Eine Möglichkeit ist die photodynamische Therapie. Dabei wird ein Medikament in die Blutbahn gespritzt, das sich dann in den krankhaften Blutgefässen anreichert. Dort wird es mittels Laser aktiviert. Die undichten und blutenden Gefässe lassen sich so veröden. Die Behandlung sollte in einem möglichst frühen Stadium stattfinden, bevor Narben entstanden sind. Meistens braucht es mehrere Laserbehandlungen, da sich die Gefässe nicht mit einer einzigen Therapie verschliessen lassen. Die Behandlung ist schmerzfrei und kann ambulant erfolgen.
Eine vollständige Heilung ist nicht möglich, doch mit den heutigen Laserverfahren lässt sich der Prozess stoppen oder verlangsamen, so dass Lebensqualität und Selbständigkeit länger erhalten bleiben.
Laut verschiedenen Quellen können durchblutungsfördernde Medikamente, Vitamine und Spurenelemente den Prozess ebenfalls verlangsamen oder aufhalten. Vielversprechend sind auch die Pigmentstoffe Lutein und Zeaxanthin. Entsprechende Tabletten sind in der Schweiz noch nicht zugelassen. Die Stoffe kommen in Salat und Gemüse (Broccoli, Mais) vor.
Chirurgische Verfahren werden zur Zeit noch klinisch erprobt und sind noch nicht routinemässig im Einsatz. Ein Ansatz ist z.B. die Netzhautrotation mit Verlagerung der Makula, eine weitere die Transplantation von Netzhautzellen, noch im Bereich der Zukunftsvision ist die elektronische Netzhautprothese.
MD führt nicht zur Blindheit, kann aber das Sehvermögen stark beeinträchtigen.
Da die Therapiemöglichkeiten heute noch beschränkt und nicht bei allen erfolgreich sind, müssen sich viele Betroffene mit Sehhilfen begnügen: Lesegeräte, Lupen, Lupenbrillen. Mit den optischen Hilfsmitteln lässt sich das noch intakte äussere Gesichtsfeld optimal nutzen.
So können auch stark sehbehinderte Personen alltägliche Tätigkeiten wie Preise lesen, Briefe entziffern, Formulare unterschreiben, etc. viel länger selbst erledigen.
Bei der persönlichen Beratung und dem Training mit Sehhilfen helfen Low Vision Trainers, diese sind meistens angestellt bei Sehbehinderten- und Blindenvereinen. Einzelne führen auch Beratungen beim Betroffenen zuhause durch, vor allem zur Optimierung der Handhabung der einzelnen Hilfsmittel und der Lichtverhältnisse.
An den Beratungsstellen arbeiten noch andere Fachkräfte, solche die den Betroffenen helfen können den Haushalt besser zu bewältigen. Man lernt hier die anderen Sinne (speziell den Tastsinn) besser zu nutzen. Auch bei der Orientierung im Freien und in Innenräumen gibt es spezielle Lösungen.
Weitere Informationen:
Broschüren, Amslergitter für den Selbsttest, Adressliste mit örtlichen Beratungsstellen für sehbehinderte und blinde Menschen bei:
SZB, Schweiz. Zentralverein für das Blindenwesen
Schützengasse 4
9000 St. Gallen
Tel. 071 223 36 36, Fax 071 222 73 18
mailto:information@szb.ch
http://www.szb.ch
Retina Suisse Beratungsstelle
Ausstellungsstr. 36
8005 Zürich
Tel. 01 444 10 77
mailto:info@retina.ch
http:// www.retina.ch
Gäste im Studio:
Christoph Galli
Low Vision Trainer
Blindenfürsorge-Verein Innerschweiz
Beratungsstelle für Sehbehinderte
Kantonsstr. 2
6048 Horw
Tel. 041 349 86 50
Augenärzte des Kantonsspitals Luzern
Augenklinik
Postfach
6000 Luzern 16
Tel. 041 205 11 11 (Zentrale)
Tel. 041 205 33 60 (Augenklinik)
Dr. Martin K. Schmid
Dr. Marianne Arnold Nuber
Dr. Silvia Schacher
Dr. Peter Maloca
Dr. Antje Walser
Dr. Alexander Huwyler