Licht und Schatten - Von der Bedeutung des Lichts in der Medizin
Licht und Medizin in der Geschichte
Licht ist mehr als nur Beleuchtung. Was unser Auge vom elektromagnetischen Spektrum wahrnimmt, dient uns zwar vordergründig zur Orientierung, aber es setzt auch eine Menge von Körperreaktionen in Gang. Depressionen, Vitamin D Mangel, schuppende Hautkrankheiten: bei vielen Erkrankungen spielt Licht eine ganz zentrale Rolle. Zu viel Licht kann auch schädlich sein: Beispiel Hautkrebs. Wie das Licht Einfluss auf die Körperreaktionen nimmt, und wo überall Licht in der Medizin zum Einsatz kommt, dieser Frage ist Puls an den unterschiedlichsten Orten nachgegangen.
Licht ist ein besonderer Stoff. Seine elektromagnetischen Wellen reichen von radioaktiven Strahlen bis zu Funkwellen. Was wir umgangssprachlich unter Licht verstehen, ist das sichtbare Licht, das für die Helligkeit und Farben verantwortlich ist. Das kurzwellige UV-Licht ist für unser Auge unsichtbar, ebenso wie das wärmende Infrarotlicht. Alle diese Lichtspektren werden für ganz unterschiedliche Licht-Therapien gegen Hauterkrankungen, Hautkrebs, Winterdepressionen oder Schlafstörungen eingesetzt.
Heliotherapie
Bei der Heliotherapie nutzt man das natürliche Sonnenlicht. Heliotherapie heisst nichts anderes als Sonnenbaden. Schon in der Antike galt ein Sonnenbad als ideales Mittel, „um den Körper zu stärken und zu straffen, die Leistungsfähigkeit zu erhöhen und die Abwehrkräfte zu unterstützen“, so ein römischer Arzt um 100 n. Chr.
Tuberkulose
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekam die Heliotherapie wieder neuen Auftrieb. Die heilsame Wirkung des Sonnenlichtes wurde bei Tuberkulose genutzt. Kuraufenthalte in der Höhe waren Standardtherapien und bedeuteten tägliches Liegen in der Sonne bis zu sieben Stunden. Ob es die Sonne war, welche gegen Tuberkulose half, ist umstritten. Zunächst wurde nämlich angenommen, dass das UV-Licht Bakterien wie den Tuberkulose-Erreger direkt abtöten würde. Mit der Entdeckung von Antibiotika hatte die Medizin dann aber bessere Waffen gegen die Erreger in der Hand und drängte die Heliotherapie in den Hintergrund.
Rachitis
Eine weitere Krankheit, gegen die erfolgreich mit Sonnenlicht vorgegangen wurde, war Rachitis. Eine Krankheit, welche zur weichen Knochensubstanz führte. In frühindustrieller Zeit war die durch weiche und deformierte Knochen gekennzeichnete Rachitis eine der häufigsten Leiden der Kinder in den lichtlosen Mietskasernen Mitteleuropas. Auch bei Knochenentkalkung, Osteoporose, wird den Patienten empfohlen darauf zu achten, sich auch draussen aufzuhalten: Sonnenlicht ist Voraussetzung für die Vitamin D-Produktion des Körpers, das wiederum bei der Kalziumaufnahme eine wichtige Rolle spielt. Aus der Zeit der rachitischen Kinder rührt übrigens die Tradition, Vitamin D reichen Lebertran zu verabreichen.
Wie das Sonnenlicht wirkt
Im Zentrum steht die Produktion des Vitamin D. Die biochemischen Vorstufen des Vitamins können in den oberen Hautschichten unter Einfluss des UV-Lichts im Lichtspektrum umgewandelt werden. Einige Minuten pro Tag reichen aus. Fehlt die Sonne völlig, kann Vitamin D-Mangel resultieren, die Aufnahme von Kalzium im Darm ist gestört. Dieser Mineralstoff ist ganz entscheidend für die Härte und Stabilität der Knochen.
Die UV-Strahlen stärken aber auch das Immunsystem. Hierbei spielt der Vitamin D-Stoffwechsel erneut eine Rolle.
Hautkrankheiten wie Schuppenflechte oder Neurodermitis lassen sich durch UV-Bestrahlung – künstlich oder natürlich – beeinflussen.
Zuviel Sonneneinstrahlung führt zu Sonnenbrand und das Risiko für Hautkrebs steigt. Deshalb ist die Dosierung wichtig.
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Wunderlampen gegen Winterdepressionen
Die Lichttherapie wurde vor 25 Jahren zum ersten Mal in der Schweiz angewandt. Damals hatte die Chronobiologin Anna Wirz-Justice die Idee von Licht als Behandlungsmethode aus Amerika in die Schweiz mitgebracht. Anfänglich wurde ihre Arbeit noch etwas belächelt. Heute ist die Wirkung von Licht jedoch wissenschaftlich bewiesen und Licht gilt als Therapieform, die von den Krankenkassen anerkannt ist.
Wenn das Licht fehlt
Im Winter sind die Tage kurz und düster, die Nächte lang und kalt. Vor allem wer regelmässig arbeitet, verlässt das Haus morgens meist in der Dunkelheit und kehrt erst nachts wieder heim. Licht und Sonne werden in der kalten Jahreszeit so oft zur Mangelware. Manchen Leuten macht das mehr Mühe als anderen. Ungefähr zehn Prozent der Schweizer Bevölkerung leiden am so genannten „Winterblues“, einige davon sogar an einer richtigen Winterdepression.
Licht macht glücklich
Mit gezielt eingesetztem Licht kann man diese Verstimmungen und Depressionen behandeln. Spezielle Therapielampen, die eine Lichtstärke von mindestens 2500 Lux (besser 10'000 Lux) haben, wirken bei regelmässiger Anwendung wie ein Medikament.
Bei genügend hoher Lichtzufuhr über unsere Augen werden im Gehirn dieselben Botenstoffe ausgeschüttet wie bei Behandlungen mit Antidepressiva. Dies ist vor allem Serotonin, das als „Glückshormon“ bekannt wurde, aber auch Noradrenalin und Dopamin, die für unseren Antrieb verantwortlich sind.
Jeden Tag eine Dosis Licht
Um Winterdepressionen zu behandeln, muss die Therapielampe täglich, am besten morgens, mindestens eine halbe Stunde benutzt werden. Dies kann während des Frühstücks sein, beim Zeitungslesen oder auch am Arbeitsplatz. Wem es möglich ist, auch im Winter bei Tageslicht eine halbe Stunde spazieren zu gehen, bekommt so auch genügend Licht. Denn sogar an trüben Tagen ist die Intensität des Lichts noch so hoch, dass der Körper darauf reagiert.
Licht als Medizin ohne Nebenwirkungen
Heute geht die Forschung in Bezug auf Lichttherapie noch einige Schritte weiter. Da bei der Behandlung mit Licht dieselben Botenstoffe im Gehirn ausgeschüttet werden wie bei der Einnahme von Antidepressiva, werden heute auch Menschen mit ganzjährigen Depressionen mit Licht therapiert. Zurzeit läuft eine Studie am Zentrum für Chronobiologie UPK Basel mit schwangeren Frauen, die Depressionen haben. Während der Schwangerschaft ist es ganz besonders wichtig, dass man keine Medikamente mit Nebenwirkungen zu sich nehmen muss. Somit ist die Lichttherapie hier speziell gut geeignet. Auch im Bereich der Altenpflege wird Lichttherapie immer wichtiger. Um Schlafstörungen zu beheben, allgemeine Antriebslosigkeit zu verringern und auch um Alzheimer-Erkrankte zu stabilisieren, wird heute in Altersheimen Licht gezielt eingesetzt.
Expertin im Beitrag:
Prof. Dr. Anna Wirz-Justice
Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel
Abteilung Chronobiologie
Wilhelm Klein-Strasse 27
4025 Basel
www.chronobiology.ch
Weitere Informationen zu Lichttherapie:
www.cet.org
Photodynamische Therapie – Lichtschäden der Haut mit Licht bekämpfen
Weisser Hautkrebs
Der weisse Hautkrebs wächst sehr langsam. So hat man oft die Möglichkeit, schon Vorstufen und Anfänge zu erkennen und zu behandeln. Vor allem betroffen sind exponierte Hautstellen wie zum Beispiel Hände oder Glatzen. Meist ist es besonders wichtig, dass man den Krebs grossflächig bekämpfen kann. Und genau dies ist möglich mit der so genannten photodynamischen Therapie.
Rotlicht
Diese Therapie besteht aus zwei Komponenten. Einerseits braucht es eine spezielle Creme und andererseits das Rotlicht, damit die Krebszellen effizient zerstört werden können. Die Creme wird auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen und muss danach drei Stunden einziehen. So werden die Hautkrebszellen vorbereitet für die Aufnahme des Rotlichts. Nach diesen drei Stunden Einwirkungszeit bekommen die Patienten eine lokale Anästhesie, denn das Rotlicht bewirkt eine Art Verbrennung der Haut und ist sehr schmerzhaft. Die eigentliche Bestrahlung mit dem Rotlicht dauert danach nur knapp zehn Minuten.
Wirkung
Das Rotlicht bewirkt eine Verbrennung, die jedoch für die gesunde Haut unschädlich ist. Die gefährlichen UV-Strahlen sind im Rotlicht nicht enthalten. Somit werden nur die mit der Creme speziell vorbereiteten Krebszellen durch diese Bestrahlung angegriffen und zerstört. Schmerzen haben die Patienten jedoch trotzdem, denn die Haut spannt und fühlt sich wie nach einem sehr starken Sonnenbrand an. Nach knapp einer Woche beginnt die Haut sich zu schälen und unter den abgeschuppten Hautzellen wächst eine zart rosafarbene und verjüngte Haut nach und zwar frei von weissem Hautkrebs.
Anwendung
Die photodynamische Therapie muss normalerweise nur einmal angewandt werden, um die Krebszellen völlig zu zerstören. Allerdings ist es gut möglich, dass innerhalb von vier bis fünf Jahren erneut weisse Hautkrebszellen wachsen. In diesen Fällen wird die Therapie nochmals durchgeführt. Die mögliche Wiederholbarkeit gehört klar zu den Vorteilen der photodynamischen Therapie.
Experte im Beitrag:
Dr. med. Adrian Krähenbühl
Dermatologie FMH
Marktgasse 17
2502 Biel
www.delc.ch
Lichtdermatosen
In der Medizin werden krankhafte Hautreaktionen auf Sonnenlicht unter dem Begriff „Lichtdermatosen“ zusammengefasst. Experten schätzen, dass bis zu 20 Prozent der Bevölkerung daran leiden. Frauen bis zu viermal häufiger als Männer. Lichtdermatosen können verschiedene Erscheinungsbilder haben. In einigen seltenen Fällen ist die Lichtdermatose jedoch so gravierend, dass die Betroffenen sich der Sonne nicht mehr aussetzen können. Ein Auslöser dafür ist die erythropoietische Protoporphyrie (EPP)
Erythropoetische Protoporphyrie
EPP ist eine sehr seltene Stoffwechselkrankheit. In der Schweiz sind 45 Menschen mit EPP diagnostiziert. Experten schätzen aber, dass es mehr Betroffene gibt. Im Gegensatz zu anderen Lichtdermatosen ist es nicht das UV-Licht, welche Juckreiz oder Quaddeln hervorruft, sondern das sichtbare blaue Licht, das sich genau im Wellenbereich von 410nm bewegt. Bei EPP häuft sich durch den Stoffwechseldefekt eine Substanz im Körper an, welche die Lichtenergie aufnimmt. Trifft Sonnenlicht auf die Haut, wird ein Prozess ausgelöst, indem die Substanz Sauerstoffradikale bildet, welche das Gewebe schädigen und die Schmerzattacken auslösen.
Bisherige Schutzmassnahmen
Bereits nach 5 Minuten Sonneneinstrahlung können Schmerzen auf der Haut zur Folge haben. Einziger zuverlässiger Schutz ist Schatten, also keine direkte Sonnenbestrahlung, lange Ärmel, Handschuhe, Sonnenhut. Denn Sonnschutzmittel schützt nur gegen UV-Licht, nicht aber gegen das sichtbare Blaulicht. Bei einer Überdosis an Sonne müssen die Betroffenen zwei bis drei Tage im verdunkelten Räumen verbringen, bis der Schmerz abgeklungen ist.
Neuartiger Therapie-Ansatz
Seit 2007 läuft eine internationale Phase 3-Studie, an der auch das Zürcher Stadtspital Triemli teilnimmt. Den EPP-Erkrankten wird ein künstliches Hormon namens Afamelanotid unter die Haut gespritzt. Mit dem künstlichen Hormon wird ein natürlicher Vorgang simuliert. Denn es aktiviert die Melanin-Produktion, das heisst die Bräunung der Haut, die der Körper bei Sonnenbestrahlung in Gang setzt. Dadurch wird die Haut bräuner und lässt weniger Sonnenstrahlen durch, bietet also mehr Schutz, ohne dass sich die Patienten der direkten schmerzvollen Sonne aussetzen müssen. Alle zwei Monate erfolgt eine Injektion. Die Zürcher Resultate sind bis jetzt sehr hoffnungsvoll. Die Hautbräunung stieg und bot so einen besseren Schutz. Doch zuerst müssen die Studien ausgewertet werden bis entschieden wird, ob das Medikament für eine Therapie zugelassen wird.
Expertin im Beitrag:
Prof. Dr. med. Elisabeth Minder
Zentrallabor Stadtspital Triemli
Birmensdorferstrasse 497
8063 Zürich
044.466 23 22
elisabeth.minder@triemli.stzh.ch













