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Chlamydien

Chlamydien-Infektion: Trotz Häufung kein Routinecheck

Montag, 18. Oktober 2010 Uhr

Die meisten Frauen gehen einmal im Jahr zur gynäkologischen Untersuchung. Diese dient der Krebsvorsorge. Auf Chlamydien wird nicht untersucht. Dabei haben sich die gemeldeten Infektionsfälle in den letzten zehn Jahren verdreifacht.

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Chlamydien-Infektion - trotz Häufung kein Routinecheck

«Chlamydia trachomatis» ist in der Schweiz die häufigste sexuell übertragene bakterielle Infektionskrankheit: 2009 waren 6360 Fälle registriert, 1999 erst 2123. Je nach Alters-und Bevölkerungsgruppe wird bei 3 bis über 10 Prozent der sexuell aktiven Personen von einer Chlamydien-Infektion ausgegangen. Genaue Daten fehlen, denn die Infektion führt in 70 Prozent der Fälle zu keinen Symptomen. Zudem verschwinden die Bakterien in der Regel nach gut zwei Jahren von alleine wieder. Das macht sie aber nicht weniger gefährlich.

Mögliche Folgen einer Chlamydien-Infektion
Bei Frauen:
-Schwere Unterleibsentzündungen
-Verwachsungen und Verklebung der Eileiter
-Unfruchtbarkeit
-Erhöhtes Risiko für eine Eileiterschwangerschaft
-Erhöhtes Risiko für Fehl- und Frühgeburten bei Ansteckung während der Schwangerschaft
-Infektionsrisiko für das Neugeborene

Bei Männern:
-Entzündung der Harnröhre, Nebenhoden und Prostata
- «Reiter-Krankheit» (selten, vor allem bei jungen Männern): Gelenkschmerzen, Entzündungen der Harnwege und Augen, Ausschlag auf Schleimhäuten und der Haut
-Evtl. Unfruchtbarkeit

Bei Neugeborenen:
-Bindehautentzündungen
-Lungenentzündungen

Wie kann ich mich anstecken?
Voraussetzung für eine Ansteckung ist ein direkter Kontakt mit den Chlamydien, also Sex oder Petting. Ein allgemein erhöhtes Infektionsrisiko haben:

- sexuell aktive Personen unter 25 Jahren
- Personen beim ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem neuen Partner
- Personen mit mehrere Sexualpartnern

Chlamydien sterben ausserhalb des Körpers schnell ab. Auf öffentlichen Toiletten, im Schwimmbad oder in der Sauna besteht deshalb keine Infektionsgefahr. Beim Geschlechtsverkehr bietet ein Kondom Schutz.

Wann ist die Untersuchung auf Chlamydien nötig?
Eine Untersuchung auf Chlamydien ist wichtig, sobald Symptome auftreten wie Ausfluss (vaginal oder anal), Unterbauchschmerzen, Zwischenblutungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Schmerzen beim Wasserlassen und Juckreiz im Genitalbereich. Auch bei Schwangeren wird in der Regel nach Chlamydien gesucht und ebenfalls, wenn eine Spirale eingesetzt wird.

Das Bundesamt für Gesundheit macht keine speziellen Empfehlungen bezüglich Chlamydien-Screening. In Deutschland, Frankreich, Schweden aber auch England wird hingegen empfohlen, dass sich junge Männer und Frauen bis 25 immer wieder einmal auf Chlamydien testen lassen sollen.

Behandlung
Die Behandlung bei einer Infektion erfolgt mit Antibiotika. Der Partner/die Partnerin muss mit behandelt werden, sonst droht eine Neuansteckung. Wenn die Chlamydien schon irreparable Schäden verursacht haben, können diese auch mit Antibiotika nicht mehr behoben werden. Bei Unfruchtbarkeit wegen verklebten Eileitern z.B. kann nur der Facharzt helfen.

Links zum Thema:
Deutschsprachiges Informationsportal
www.chlamydien-info.de

Aufklärungs-Kampagnen des englischen Gesundheitsdepartements
www.chlamydiascreening.nhs.uk
www.checkyourbits.org

Experten im Beitrag:
Prof. Michael D. Mueller
Chefarzt Gynäkologie
Inselspital Bern
Effingerstrasse 102
3010 Bern
http://frauenheilkund.insel.ch/8589.html

Prof. Johannes Bitzer
Vorsteher und Chefarzt
Universitätsspital Basel Frauenklinik
Spitalstrasse 21
4031 Basel
www.ufk-basel.ch

Expertin im Studio und im Chat:
Dr. Judith Pók
Leitende Ärztin
Universitätsspital Zürich
Klinik für Geburtshilfe
Frauenklinikstrasse 10
8091 Zürich
www.geburtshilfe.usz.ch/UEBERUNS/KADER/Seiten/AerztlicherDienst.aspx

Experten am Telefon:
Dr. Susanne Rohner
Gynäkologin
Inselspital Bern, Frauenklinik
Effingerstrasse 102
3010 Bern
http://frauenheilkunde.insel.ch

Dr. Alessandro Santi
Oberarzt Gynäkologe
Inselspital Bern, Frauenklinik
Effingerstrasse 102
3010 Bern
http://frauenheilkunde.insel.ch

Dr. Francesca Navratil
Kinder-und Jugendmedizin FMH
Praxis für Jugendgynäkologie
Birmensdorferstrasse 501
8063 Zürich
www.stadt-zuerich.ch/triemli/...

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